Da wir uns im letzten Artikel mit den getigerten Katzen befasst haben, ist der nächste logische Schritt der zu den schwarzen Katzen. Viele werden sich sicher fragen “Wie wieso? Was haben denn schwarze und getigerte Katzen gemeinsam?” Mehr als ihr denkt.
Getigerte Katzen gibt es ja in verschiedenen Farben. Die Farbe der Tigerung wird zumindest im deutschsprachigen Raum und in den meisten englischsprachigen Dachverbänden ausschließlich anhand der Streifen benannt. Eine Katze, wie wir sie im letzten Artikel fanden, hat schwarze Streifen. Deswegen ist sie “schwarz getigert” oder auch “black tabby”.
Es gibt nun ein Gen, welches es schafft, die braunen Zwischenräume zwischen den Streifen zu verdrängen. Eine schwarze Katze ist also eigentlich eine schwarzgetigerte Katze deren Zwischenräume verdrängt wurden. Das kann man vor allem dann gut sehen, wenn die Katzen noch sehr jung sind, dann haben schwarze Katzen nämlich eine Geisterzeichnung. In ihrem schwarzen Fell lässt sich ein Tigermuster erkennen, welches mit dem Alter dann aber verschwindet.
Nun ist die Vererbung dieses Gens nicht ganz so einfach, wenn man sich mit Genetik nicht so gut auskennt. Ich versuche es einfach zu erklären.
Es gibt bei der Katze zwei “Plätze” für die Gene die über Getigert und nicht Getigert bestimmen. Das liegt daran, dass die Katze von ihrer Mutter ein Gen mitbekommt (über die Eizelle) und von dem Vater ein Gen bekommt (über das Spermium) kombinieren sich diese Gene bei der Befruchtung, entscheidet sich das spätere Aussehen der Katze, da immer beide Gene zusammen wirken.
Kleiner Genetikexkurs (Beispiele)
Eine schwarze Katze hat auf den beiden Genplätzen das Gen für “Kein Tabby”. Paart sie sich mit einem Kater, der auf beiden Genplätzen das Gen für “Tabby” hat, haben alle Jungtiere der beiden Sowohl ein Gen “Kein Tabby” und ein Gen “Tabby”.
Mama: XX (kein Tabby, also schwarz) + Papa OO (Tabby, also getigert)
= Kind 1 (XO) Kind 2 (XO) Kind 3 (XO) Kind 4 (XO).
Das sind nicht die offiziellen Bezeichnungen für die Gene, aber ich denke so kann ich es euch am besten bildlich erklären. Jetzt müssen wir aber wissen, wie es aussieht, wenn beide Gene zusammen in einer Katze sind. Denn nur so halb/dunkel getigerte Katzen gibt es ja nicht. Da das Tabbygen das ursprünglichste Gen der Katze ist, ist es dominant. Das heißt, wenn eine Katze sowohl das “Tabby” und das “Kein Tabby” Gen trägt, setzt sich das Tabby Gen durch und die Katze getigert ist. Die Kinder aus dem oberen Beispiel sind also alle getigert, auch wenn die Mama schwarz ist.
Gucken wir uns noch ein Beispiel an. Was würde passieren, wenn man die Kinder miteinander paart?
Mama: XO (Tabby, aber mischerbig) + Papa XO (Tabby, aber mischerbig)
= Kind 1 (XX), Kind 2 (XO), Kind 3 (XO), Kind 4 (OO)
Jetzt sehen wir, dass sich die Gene der schwarzen “Oma” bei einem Viertel der Enkeln wieder zeigen. Ein Viertel ist also schwarz, zwei Viertel ist getigert aber mischerbig und ein Viertel ist getigert und wie der Opa reinerbig getigert.
Woher weiß ich, ob eine Katze reinerbig oder mischerbig getigert ist?
Ansehen kann man es der Katze nicht, aber ihre Eltern können Aufschluss darüber geben. Ist ein Elternteil der Katze nicht getigert, dann ist die Katze immer mischerbig. Sind beide Katzen getigert, dann besteht zumindest eine Wahrscheinlichkeit von 25%, dass die Katze reinerbig ist.
Sicher kann man sowas zum Beispiel über einen Gentest herausfinden. Dort wird auf das Vorhandensein des “Nicht Tabby” Gens getestet.
Als es noch keine Gen-Tests gab, musste man Testverpaarungen machen. Paarte man die Katze mit einer Nichtgetigerten Katze und es kamen nur Tigerchen raus, konnte man zumindest vermuten, dass die eine Reinerbigkeit vorliegt. Man muss hier natürlich noch sagen, dass die Verteilung der Farben theoretisch in dem Verhältnis wie oben stattfindet, aber es ist immer noch Zufall. Es kommen auch nicht immer 4 Kitten, sondern es können auch einmal nur 1 oder 2 sein oder auch 5 oder 6. Je mehr Kätzchen kommen, desto aussagekräftiger ist natürlich das Ergebnis.
Trotzdem sind diese Testverpaarungen natürlich nie 100% sicher, es sei denn man beweist das Gegenteil. Deswegen konnten damals trotz allem immer Überraschungen in der Wurfkiste passieren. Züchtern wird heutzutage immer ein Gentest empfohlen. 1. Geht er schnell 2. Ist er sicher 3- Ist er günstiger, als eine Wurfaufzucht und 4. werden keine unnötigen Katzenbabys produziert, die nicht sein müssen.
Schwarze Katzen sind also kein Zufall und es ist nun auch kein Geheimnis mehr, wie sie entstehen, wenn die Eltern getigert waren.
Übrigens: Dass schwarze Katzen im Sonnenlicht bräunlich aussehen ist normal, denn Schwarz ist in Wirklichkeit ein sehr sehr sehr dunkles Braun. Ist die Katze auch ohne Sonne eher bräunlich obwohl sie eigentlich schwarz sein sollte, kann es sich um Rufismus handeln.